Wohnbauten als CO2-Sünder?

Deutsche Studie untersucht Treibhausgasemissionen von Wohnbauten – Gewinner ist der Baustoff Holz

Pollmeier BauBuche
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Die Ruhr Universität Bochum kommt in ihrer Studie „THG-Holzbau“ zu einem deutlichen Fazit: Um das Klima langfristig zu schützen und Treibhausgasemissionen zu reduzieren, muss mehr Holz im Wohnungsbau eingesetzt werden. Am besten ab sofort.

Obwohl die Bevölkerungszahl konstant abnimmt, steigt der Wohnraumbedarf in Deutschland immer weiter an. Laut empirica-Prognose ein Trend, der sich bis mindestens 2030 fortsetzen wird. Die Gründe sind vielfältig: Steigender Wohlstand, der Trend zu kleineren Haushalten und die (Über-)Alterung der Gesellschaft sind nur einige der Faktoren.

Um die Nachfrage zu stillen, wird mehr gebaut – damit steigen auch die Bedarfsmengen an Baustoffen. An dieser Stelle setzt das unter der Leitung von Prof.-Ing. Annette Hafner durchgeführte Forschungsprojekt „THG-Holzbau“ an, das herausfinden möchte, ob ein Zusammenhang zwischen dem Baumaterial und der Klimaverschmutzung herstellbar ist.

Holz spielt die Schlüsselrolle

Gerade Holz und Holzwerkstoffe spielen hier eine Schlüsselrolle: Immerhin sind in Holz große Mengen CO2 gebunden, die durch eine stoffliche Verwendung des Materials über einen langen Zeitraum der Atmosphäre entzogen werden können. Hinzu kommt, dass bei der Herstellung mineralischer Baustoffe wie Beton oder Stahl Energie aufgewandt werden muss und so Treibhausgase in die Atmosphäre abgegeben werden.

Ersetzt man nun mineralische Materialien durch Holz oder Holzwerkstoffe, ergibt sich – zumindest in der Theorie – doppeltes Einsparpotential an Treibhausgasen. Zum einen die Menge, die bereits im Holz gebunden ist; zum anderen die sogenannte „graue Energie“, die bereits bei der Erzeugung mineralischer Bausubstanzen emittiert wird.

Im direkten Vergleich gewinnt Holz

Um dieses Substitutionspotential zu erforschen, hat die Studie „THG-Holzbau“ die Treibhausgasbilanzen von Wohngebäuden aus Holz mit denen von Wohngebäuden in mineralischer Bauweise verglichen. Und tatsächlich: Laut Hafner und ihrem Team können bei Wohngebäuden in Holzbauweise zwischen 35-56% (pro m² BGF Ein-/Zweifamilienhäuser) und 9-48% (pro m² BGF Mehrfamilienhäuser) der Treibhausgasemissionen eingespart werden.

Konkret ausgedrückt: Pro m² Bruttogeschossfläche lassen sich in einem Ein/Zweifamilienhaus zwischen 77-207 kg/m² CO2-Äquivalente einsparen, bei einem Mehrfamilienhaus sind es 18-178 kg/m² BGF CO2-Äquivalente. Dabei hängt der Substitutionsfaktor von diversen Faktoren ab wie Baumaterialien, Gestaltung der Gebäude, Gebäudeklasse etc.

Somit könnten bei einem Einfamilienhaus (BGF = 320 m²) über 66 t CO2 Äquivalente eingespart werden – das entspricht etwas mehr als der Menge, die sieben Menschen in Deutschland pro Jahr verursachen.

Potential im Innenausbau

Dabei ist nicht nur das Tragwerk entscheidend: Hafner & ihr Team haben außerdem große Einsparpotentiale im Ausbau der Gebäude identifiziert. Das betrifft vor allem Bodenbeläge, Fenster, Türen und eine mögliche Fassadenbekleidung in Holz – hier können ebenfalls große Mengen an Treibhausgasen eingespart werden.

Der Ausbau ist vor allem deswegen interessant, da er im Lebenszyklus eines Gebäudes mehrfach anfällt – auch in Bestandsgebäuden. So können selbst in einem mineralischen Bestand relevante Mengen an Treibhausgasen eingespart werden.

Chancen und Herausforderungen

Betrachtet man nun die Neubauquote und das darin liegende (hypothetische) Einsparpotential, kann laut der Studie „THG-Holzbau“ schon bei einer moderaten Steigerung der Holzbauquote ein hohes Substitutionspotential freigesetzt werden.

Auf dem Papier eine schöne Rechnung – allerdings steht die Holzbranche großen Herausforderungen gegenüber. Diese wurden ebenfalls in der Studie identifiziert und analysiert. Daraus konnte eine Aufgabenliste für die Beteiligten erstellt werden: Während sich die Verbände der Erstellung einer gemeinsamen Strategie und der Weiterbildung widmen müssen, ist der Bereich der Forschung und Entwicklung gefragt, belastbare Informationen zu veröffentlichen, Standards zu harmonisieren und einen aktiven Wissenstransfer voranzutreiben. Aus der Politik muss eine Anpassung der Bauordnungen erfolgen und Hersteller und Verarbeiter müssen dringend für einen Ausbau der Kapazitäten sorgen. Bis also das ganze Potential genutzt werden kann, ist noch einiges zu tun.

Wohnungsbau ist nur der Anfang

Anhand der Studie „THG-Holzbau“ konnte exemplarisch das Einsparpotential für das Segment Wohnungsneubau gezeigt werden. Weitere Kategorien – Nichtwohnbau und Sanierungen – sollen in einem separaten Projekt untersucht werden.

Abschließend weisen Hafner und ihr Team auf die Dringlichkeit der Umsetzung hin: Das Potential einer Treibhausgasreduzierung durch verstärkten Einsatz von Holz und Holzwerkstoffen kann nur dann vollständig ausgeschöpft werden, wenn eine massive Steigerung der Holzbauquote ab sofort erfolgt. Gerade vor dem Hintergrund ambitionierter Klimaschutzziele, sei ein sofortiges Umdenken in der Materialwahl wichtig.

Die gesamte Studie können Sie hier herunterladen.