Einheit aus der Vielfalt

Beim Bau eines neuen Forstamtes in Thüringen wurde auf heimisches Laubholz gesetzt. Sowohl das Tragskelett als auch die Holz-Beton-Verbunddecken und die Möblierung bestehen aus BauBuche.

Mit der Zusammenlegung der Forstämter Jena und Stadtroda zum neuen Forstamt Jena-Holzland ist eines der flächenmäßig größten von insgesamt 24 Forstämtern in Thüringen entstanden. Bei der Baustoffwahl war das Holz für die Landesforstanstalt gesetzt, doch mochte man noch einen Schritt weiter gehen. Lokale Wertschöpfung und Know How sollten möglichst eingebunden werden, so dass die aus Thüringer Buchenholz in Creuzburg hergestellte BauBuche alsbald ins Zentrum der holzbaulichen Überlegungen gelangte. Denn rund 548.000 Hektar bzw. 33 Prozent der Fläche Thüringens sind bewaldet, wobei die Rotbuche (Fagus sylvatica) die am weitesten verbreitete Laubbaumart darstellt, die auf gut einem Fünftel der Waldfläche Thüringens wächst.

Forstamt im Detail

Bauherr

ThüringenForst, Erfurt

Bauort

Stadtroda, DE

Architekt

cornelsen + seelinger architekten BDA, Darmstadt DE

Grundfläche

1.488 m²
Fertigstellung August 2017
Holzbau Grossmann Bau GmbH & Co. KG, Rosenheim DE
Tragwerksplanung merz kley partner ZT GmbH, Dornbirn A  
Innenausbau Korda-Ladenbau GmbH Thüringen, Barchfeld-Immelborn DE
Foto Thomas Eicken

Holzmassiv- und Leichtbauweise

Aufbau Forstamt Jena

 

Das im Erdgeschoss barrierefrei erschlossene Forstamt präsentiert sich offen und transparent, was sich dem Besucher durch die zweigeschossige Galerieebene, die den Eingangsbereich prägt, unmittelbar erschließt. Zwischen den beiden klammerartigen Gebäudeflügeln liegt der dreiseitig umschlossene, vor Lärm und Wind geschützte Innenhof mit leicht erhöhtem Mitteltrakt und Haupteingang. Die Wildkühlzelle im Erdgeschoss wie auch der Aufzugsschacht und das Treppenhaus mit den Fluchtwegen bestehen gemäß Brandschutzkonzept aus Stahlbeton. Zugleich steift dieser mineralische Erschließungskern die Konstruktion aus und leitet die Lasten des darauf platzierten Holzbaus in die Fundamente ab. Die obenauf platzierte Gebäudehülle besteht aus einer Pfosten-Riegelkonstruktion aus BauBuche. Dabei wurden Träger in den Maßen 80 mm x 160 bis 80 mm x 280 mm GL70, bis zu 3 m lange Stützen in den Maßen 100 mm x 240 mm bzw. 160 mm x 240 mm GL70 und Unterzüge in den Maßen 240 mm x 160 mm bzw. 240 mm x 280 mm GL70 eingesetzt. Komplettiert wird die Konstruktion durch werkseitig vorgefertigte, 120 mm dicke Brettsperrholz- (BSP) und Holzrahmenbauelemente von 80 mm x 240 mm, die mit Mineralfaserbahnen gedämmt wurden. Den Raumabschluss der Ständerkonstruktion bilden zwischen den Stützen und den BSP-Elementen eingesetzte Fichtenholz-Dreischichtplatten. Während das Obergeschoß von einer horizontalen Lärchenholzschalung geprägt wird, hat das Untergeschoss mittels Putzfassade und großzügiger Glasflächen einen Kontrast erhalten. Der Innenbereich zeigt dann den Holzbau in Reinform: gemeinsam mit den in Sichtqualität ausgeführten BSP-Elementen und den Dreischichtplatten transportieren die Stützen, Träger und Unterzüge aus BauBuche den inhaltlichen Bezug des Gebäudes und seiner Nutzer.

 

Kraftschlüssiger Verbund mit Schubkerven

Die dem Innenhof zugewandten Räume wurden großflächig verglast, was unmittelbare Sichtbezüge zwischen den einzelnen Gebäudeteilen ermöglicht. Sensorgesteuerte Sonnenschutzscreens, die rechtwinklig an den Fassadenriegeln befestigt wurden, sorgen für eine blendfreie Arbeitsatmosphäre und sommerliche Verschattung. Ein holzbauliches Novum stellt die eigens entwickelte Holz-Beton-Verbunddecke (HBV) dar. Diese wurde mit Elementen aus BauBuche in den Maßen 160 mm x 680 mm ausgeführt. Die mit einem Abstand von 120 mm auf Lücke gelegten BauBuchen-Elemente hat man oberseitig mit OSB-Laschen verschlossen. 

Aufbau HBV Decke

Darauf brachte man vor Ort eine 10 cm dicke Betonschicht auf, die, da sie Masse ins Deckensystem bringt, dem Brand- und vor allem dem Schallschutz Rechnung trägt. Der kraftschlüssige Verbund zwischen Beton und Holz wurde über in die Buchenholzelemente eingefräste Schubkerven hergestellt, die in einem Arbeitsgang mit vergossen wurden. Dabei leitet eine herausgebildete Betonnocke den Schub in das Holz ein, woraus eine signifikant erhöhte Steifigkeit resultiert. Als Einfeldträger, die beidseitig auf BauBuchen-Unterzügen liegen, überspannen die Elemente aus Buchen-Furnierschichtholz über 6 m. Das erhöhte Dach im Mitteltrakt wird von 5 unterspannten Dachträgern mit Gurten und Streben aus BauBuche und Stahlzugstangen getragen, die das Großraumbüro auf 8,60 m stützenfrei überspannen und zu beiden Seiten auf BSP-Trägern aufliegen. Die offene Struktur wird von großzügigen Oberlichtern fortgeführt, die zwischen den unterspannten Trägern platziert wurden.

Isometrie Dach

  • Weitere Details

    Draufsicht

    Binderebene

    Schnitt

Tragstruktur, Innenarchitektur & Möblierung aus BauBuche

Da die BauBuchen-Deckenelemente in Sichtqualität angeliefert wurden, entfiel die gemeinhin übliche unterseitige Bekleidung der Unterzüge mit Gipsplatten o.ä., was Zeit, Geld und Material einsparte. Gleichzeitig ist es mit den Trägern aus BauBuche gelungen, den Aufbau der Rohdecken zu verschmälern, was größere Raumhöhen bei gleichbleibender Gebäudehöhe ermöglicht hat. Um das Buchen-Furnierschichtholz zu schützen, hat man die Oberflächen der Deckenelemente vorab werkseitig hydrophobiert. Demzufolge wurden die Seitenflächen mit einem 1-fachem Anstrich und die Anschnitte an den Hirnholzflächen, einschließlich die der Schubkerven, mit einem 3-fachen Anstrich versehen. Final lässt sich konstatieren, dass das Forstamt Jena-Holzland ganz wesentlich von dem regionalen Konstruktionswerkstoff aus Thüringer Buchenholz geprägt wird. In Stadtroda findet sich die BauBuche aufgrund ihrer mannigfachen Materialeigenschaften sowohl in der Tragstruktur, als auch in der Innenarchitektur wie auch der Möblierung der Büros wieder. Aus der Vielfalt der Einsatzbereiche ist hier eine organische Einheit entstanden, die Form, Nutzen und Atmosphäre zu einem stimmigen Ganzen zusammengeführt hat. Für den Bau des Forstamtes wurde eine Holzmenge von rund 260 m³ verbaut. Diese verfügt über einen Kohlenstoffanteil, aus dem Holz zu 50 % besteht, von umgerechnet ca. 65 Tonnen, woraus eine CO₂-Speicherung von über 238 Tonnen resultiert.

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