BauBuche für gemeinschaftliches Wohnprojekt – das „Quartier Wir“ in Berlin-Weißensee

Allein die Lage neben dem als Gartendenkmal geschützten jüdischen Friedhof Adass Jisroel macht das 7000 Quadratmeter große neue Wohnquartier im Nordosten der Stadt zu etwas Besonderem. Hinzu kommt die Vorgabe des Projektentwicklers UTB Projektmanagement GmbH, auf der ehemaligen Brache nicht einfach nur eine Siedlung für 250 Menschen, sondern ein vitales Stück Stadt entstehen zu lassen.

"Quartier Wir" im Detail

Nach einem Architektenwettbewerb wurde das Büro Deimel Oelschläger Architekten beauftragt. Die Planer entwarfen ein Ensemble aus fünf vier- und fünfgeschossigen Gebäuden in Holzbauweise, die viel Flexibilität und Raum für unterschiedlichste Wohnformen bieten. Ein Drittel der 113 Wohneinheiten sind Eigentumswohnungen. Der Rest besteht zu etwa gleichen Teilen aus geförderten und freifinanzierten Mietwohnungen, die von der neu gegründeten Baugenossenschaft BeGeno16 an Menschen aller Generationen und Lebensmodelle vergeben werden. Klassische Familienwohnungen und Kleinapartments für Singles gibt es daher ebenso wie Gemeinschaftsräume und Wohncluster z.B. für Migranten, Studenten und demenzkranke Senioren. Ergänzt wird das Raumprogramm durch Erdgeschossnutzungen, die auch externen Nutzern offen stehen: eine Kita, ein Kiezcafé, ein Restaurant mit Lehrküche und ein Kiosk. Das Schwimmbad hingegen bleibt allein den Bewohnern des neuen Quartiers vorbehalten.

Flexibel durch Holzskelettbauweise

Nicht zuletzt angesichts dieser ambitionierten Rahmenbedingungen verstand es sich für die Architekten von selbst, Gebäude mit hohen Nachhaltigkeitsstandards zu planen. Zum einen platzierten sie die im KfW-40-Standard realisierten Baukörper so auf dem Grundstück, dass ein mit der Umgebung vernetztes Quartier mit fein abgestuften öffentlichen und privaten Außenräumen entsteht. Zum anderen entschieden sie sich für eine Tragkonstruktion sowie nichttragende Außenwände aus Holz – ein natürlicher Baustoff und CO2-Speicher mit ausgezeichneten baubiologischen und bauphysikalischen Eigenschaften. Als Tragsystem wählten sie eine Skelettkonstruktion aus Brettschichtholz-Stützen und -Unterzügen sowie Brettsperrholz-Decken, während die Außenwände aus komplett mit Fenstern und Zellulosedämmung vorgefertigten Holzrahmenelementen bestehen. Letztere wurden von Terhalle Holzbau GmbH gefertigt und nach der Montage innen mit Gipskarton bekleidet und außen verputzt. Wesentlicher Vorteil der Skelettbauweise mit Leichtbauwänden zwischen Wohnungen und Zimmern ist die extrem hohe Flexibilität in der Grundrissgestaltung – eine solche Flexibilität war unerlässlich, um Wohnungstypen mit teilweise völlig verschiedenen Raumaufteilungen übereinander anordnen zu können.

Einheitliche Bauteilabmessungen dank hochdruckfester BauBuche-Stützen und -Unterzüge

Anschlüsse StützeDie fünf Wohngebäude sind in konstruktiver Hinsicht nahezu identisch. Über den betonierten Kellergeschossen befinden sich Wohngeschosse, die jeweils von mittigen, aussteifenden Treppenhauskernen und einem rundherum angeordneten Holz-Skelettbau geprägt sind. Dieser verfügt in Gebäudelängsrichtung über zwei äußere und zwei mittlere Stützenreihen, wobei der Achsabstand der äußeren Stützen an der Fassade mit 2,80 m genau halb so groß ist wie jener der in Verlängerung der Treppenhauswände platzierten Stützen. Die kleinen Achsabstände und die vergleichsweise geringen vertikalen Lasten an der Fassade erlaubten relativ schlanke Stützen und Unterzüge aus Fichten-Brettschichtholz der Festigkeitsklassen GL24h–32h.

Bei den beiden mittleren Stützenreihen gibt es größere Achsabstände (und damit auch höhere Lasteinzugsbereiche und höhere Vertikallasten), um so die Flexibilität der Grundrisse zu gewährleisten. Hier wäre der Lastabtrag mit Fichtenholzstützen nur mit unverhältnismäßig großen Bauteilabmessungen möglich gewesen, die jedoch optisch nicht zum Rest der sichtbaren Konstruktion gepasst und zudem das Führen von Leitungen der kontrollierten Lüftungsanlage behindert hätten. Also kam für Stützen und Unterzüge dieses Bereichs überwiegend BauBuche zum Einsatz, die mit der Festigkeitsklasse GL70 über eine extrem hohe Druckfestigkeit verfügt. Anders als bei den Decken, die als einheitlich 24 cm starke Fichten-Brettsperrholzelemente an den oben verjüngten Unterzügen aufliegen, variieren die Querschnitte der BauBuche-Stützen und -Unterzüge innerhalb des Gebäudes je nach Einbauort und statischen Erfordernissen.

Kombinieren von Bauteilen aus Fichtenholz und BauBuche

Wie das Tragwerkssystem sind auch sämtliche Anschlussdetails standardisiert und somit prinzipiell für Fichten- und BauBuche-Elemente anwendbar. Diesem pragmatischen Konstruktionsansatz folgend, ließen sich Bauteile aus Fichtenholz und BauBuche problemlos kombinieren, wenn es die Lastverhältnisse erlaubten. Die Befestigung der geschlitzten Unterzüge an der Treppenhauswand erfolgte mithilfe einer einbetonierten Stahlplatte mit angeschweißtem Stahlschwert sowie Stabdübeln. Im Bereich der Stützen sorgen flächenbündig in den Stützenkopf und -fuß eingelassene Stahlplatten sowie vertikale, in vorgebohrten Löchern in den Unterzug eingeführte Stabdübel für die Lastdurchleitung der vertikalen Kräfte von Stütze zu Stütze. Dank der konsequent nicht sichtbaren Verbindungsmittel wird die Raumatmosphäre maßgeblich von Holzoberflächen geprägt.

Soziale und bauliche Nachhaltigkeit

Während wegen der Putzfassaden von außen kaum erkennbar ist, dass es sich bei den Bauten des „Quartier Wir“ um Holzkonstruktionen handelt, lassen die Innenräume keinen Zweifel. Prägend sind hier die natürliche Wärme und Haptik des Parkettbodens, der Holzfenster und vor allem des Holztragwerks. Holz wird in den Gebäuden als selbstverständlicher Baustoff voller lebendiger Vielfalt erlebbar. Insbesondere in den großen Wohnungen und Clustern erzählen die frei stehenden Stützen und Unterzüge darüber hinaus von der im Gebäude angelegten Geschichte der Flexibilität. Die Skelettbauweise vereinfacht nicht nur zukünftige räumliche Anpassungen in den Wohnungen und würde theoretisch sogar eine Umnutzung in Büroflächen zulassen. Sie erleichtert auch das Recycling der Konstruktion am Ende ihrer Lebensdauer. Dieser Zeitpunkt dürfte jedoch dank des ganzheitlich nachhaltigen Entwurfsansatzes in weiter Ferne liegen.

-Text by Roland Pawlitschko-

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