Interview mit wald-wird-mobil.de

Aus dem Wald das Beste herausholen

Wald wird mobil
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11,4 Millionen Hektar - etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands - sind bewaldet; knapp die Hälfte dieser Waldfläche befindet sich in privater Hand. Durch Erb- und Realteilung wurden viele Wälder immer weiter zerstückelt und parzelliert. Heutzutage besitzen viele Eigentümer und Erbengemeinschaften sehr kleine Flächen, kennen sich kaum noch mit der Waldbewirtschaftung aus und wissen häufig nicht einmal, wo die Grenzen ihres Eigentums verlaufen. 

Den Wald einfach Wald sein lassen kommt aber auch nicht in Frage, denn Besitz bringt auch immer Verantwortung mit sich und – im besten Fall – auch Freude sowie eine Rendite. An dieser Stelle kommt wald-wird-mobil.de ins Spiel, eine gemeinnützige GmbH, die seit dem Jahr 2007 Privatwaldeigentümer und forstliche Zusammenschlüsse berät, gezielte Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit dem eigenen Wald aufzeigt und innovative Praxislösungen entwickelt. 
Markus von Willert und Johanna Reinkemeier arbeiten als Projektleiter für wald-wird-mobil.de:

Pollmeier-Magazin: Was ist die größte Herausforderung an der Situation in Deutschland?

Markus von Willert: Der frühere „Bauernwald“, welcher traditionell im Winter bewirtschaftet wurde, wenn wenig Arbeit auf den Feldern anstand, gehört heute zunehmend Menschen, die keinerlei Bezug mehr zur Land- und Forstwirtschaft aufweisen. Zudem leben diese neuartigen Waldeigentümer oftmals auch räumlich weit entfernt von ihrem Waldbesitz. Dies bleibt natürlich nicht ohne Folgen für den Kleinprivatwald. Pflegerückstände und instabile Wälder sind die Folge dieser Entwicklung, der Erhalt wichtiger Waldfunktionen ist gefährdet. Darüberhinaus gelangt der klimafreundliche Rohstoff Holz nicht in ausreichender Menge auf die stark nachfragenden Märkte, Arbeitsplätze gehen verloren, die ländliche Entwicklung wird geschwächt.

Markus von Willert, Projektleiter bei wald-wird-mobil.de
Markus von Willert

Pollmeier-Magazin: Wie unterstützt wald-wird-mobil.de?

Johanna Reinkemeier: Zunächst stellen wir eine Vielzahl an Informationen für Waldeigentümer bereit und beantworten auf unserer Internetplattform Fragen, die sich Waldeigentümer sehr häufig stellen: Welche Rechte und Pflichten habe ich? Wie bewirtschaftet man einen Wald nachhaltig? Wie viel ist das Holz aus meinem Wald wert? Auf unserer Waldbörse bringen wir zudem seit vielen Jahren erfolgreich Waldverkäufer und Interessenten zusammen. 
Dann haben wir in unserem Pilotland Thüringen ein Projekt, bei dem wir Waldbesitzer beim Auffinden von Waldgrenzen mit hochauflösender GPS-Technik unterstützen. Das Auffinden der eigenen Besitzgrenzen stellt einen Moment dar, in welchem der Eigentümer erstmalig eine Beziehung zu seinem Wald aufbaut – ein überaus wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Waldwirtschaft im Kleinprivatwald.

Pollmeier-Magazin: Wie sieht eine optimale Bewirtschaftung des Waldes aus und wer profitiert davon?

Markus von Willert: Eine optimale Bewirtschaftung des Waldes berücksichtigt alle drei Säulen der Nachhaltigkeit – Umwelt, Wirtschaft & Soziales – und sorgt dafür, dass die vielfältigen Leistungen des Waldes für die heutige sowie für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Von einer derartigen Bewirtschaftung profitieren in der Folge alle: Eigentümer, Umwelt, Klima und Gesellschaft. Gerade bei der Kleinprivatwaldbewirtschaftung kann das durch forstliche Zusammenschlüsse erreicht werden: Waldeigentümer organisieren gemeinschaftlich die Waldpflege sowie den Holzeinschlag, beantragen Fördermittel und erzielen auf Grund einer Bündelung der Holzmengen deutlich bessere Preise beim Holzverkauf.

Pollmeier-Magazin: Inwieweit hat die Bewirtschaftung der Kleinprivatwälder einen Einfluss auf das Klima?

Johanna Reinkemeier: Wälder bzw. die darin lebenden Bäume lagern in ihrem Leben eine bedeutende Menge des klimaschädlichen Kohlendioxid-Gases (CO2) im Holz ein und entziehen es somit unserer Atmosphäre. Durch Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz kann zudem der zusätzliche CO2-Ausstoß vermieden werden, welcher bei Verwendung nicht erneuerbarer Rohstoffe auftreten würde. Je längerfristiger Holz genutzt wird, desto dauerhafter bleibt auch das CO2 darin gebunden. Dieses Prinzip nennt man „Produktspeicher“.

Neben dem Klimaschutz ist das Thema der Anpassung der Wälder an den Klimawandel ebenfalls ein sehr wichtiges Thema. Auch in diese Richtung werden wir im Rahmen unserer Projekte aktiv. Es ist wichtig, dass Baumartenwahl und Bewirtschaftungsformen schon jetzt auf die Herausforderungen des Klimas der Zukunft angepasst werden. Nur so können Wälder auch weiterhin ihrer Rolle als bedeutende CO2-Senke gerecht werden. 

Johanna Reinkemeier, Projektleiterin bei wald-wird-mobil.de
Johanna Reinkemeier

Pollmeier-Magazin: Hat sich in euren Augen der Umgang der Menschen mit dem Wald und Holz als Rohstoff in den letzten Jahren verändert?

Markus von Willert: Es ist eine sehr hohe Wertschätzung für den sehr ästhetischen sowie klima- und umweltfreundlichen Rohstoff Holz zu beobachten. Seine Vielseitigkeit führt aktuell zu immer weiteren Anwendungsmöglichkeiten – von Flüssigholz, über Microchips aus Holz, ganzen Autokarosserien aus Holzverbundwerkstoffen, Kleidungsstoffen aus Lignin bis hin zu über hundert Metern hohen Windrädern zur Energiegewinnung. Beinahe alles scheint denkbar. 
Holz stellt unterm Strich einen der Rohstoffe dar, welcher die gesellschaftlichen Ansprüche des 21. Jahrhunderts am besten zu vereinen mag. Gleichzeitig bleibt der Wald der Sehnsuchtsort der Deutschen – zur Erholung vom Alltag sowie als Ort der individuellen Freizeitgestaltung. Teilweise mangelt es dabei an dem Verständnis dafür, dass der Wald auch zur Gewinnung von Holz bewirtschaftet werden muss – und dass die Interessen eines Waldeigentümers nicht immer deckungsgleich mit denen von Waldbesuchern sind. Durch gezielte Aufklärung kann dieses wenig zielführende Paradox aufgelöst werden.

Pollmeier-Magazin: Macht es Sinn, auch über eine internationale Tätigkeit von Wald wird mobil nachzudenken?

Johanna Reinkemeier: Ein klares „Ja“. In Europa gibt es ca. 16 Millionen private Waldeigentümer und der inaktive Kleinprivatwald stellt nicht alleinig ein deutsches Problem dar. Viele EU-Länder leiden unter sehr ähnlichen strukturellen Hemmnissen im Privatwald, wie wir Deutschen. Auch der Verlauf des demographischen Wandels unterscheidet sich dort kaum und führt zur gleichen Situation, wie wir sie hier in Deutschland beobachten können: Einer zunehmenden „Urbanisierung“ der Gesellschaft, der Entfernung des Eigentümers vom eigenen Wald sowie einer Ideen- und Ratlosigkeit im Umgang mit selbigem.

Pollmeier ist vom Konzept von wald-wird-mobil.de überzeugt und unterstützt die gemeinnützige Gesellschaft seit 2007.