Stahlharte BauBuche für Materialeffizienz im Bürobau

Seuzach, Schweiz

Der Netcloud AG war es als Arbeitgeberin und Bauherrin ihres neuen Bürogebäudes sehr wichtig, den Mitarbeitenden ein Arbeitsumfeld mit hohen Aufenthaltsqualitäten zu bieten. Zudem legte das Schweizer Unternehmen aus Seuzach auf die Nachhaltigkeit des Neubaus großen Wert, sowohl bei der Materialwahl als auch in Bezug auf eine möglichst flexible Nutzbarkeit. Wenngleich mit einer modernen Fassade aus teilweise recyceltem Aluminium bekleidet, handelt es sich im Wesentlichen um einen ressourcenschonenden Bau aus Holz, bei dem in hochbelasteten Bereichen vor allem BauBuche eingesetzt wurde.

Beteiligte

Bauvorhaben

Neubau Bürogebäude der Netcloud AG in 8472 Seuzach (Schweiz), www.netcloud.ch

Fertigstellung

2023

Bauherr

Bein AG c/o Wanner Treuhand & Consulting AG, CH-8400 Winterthur

Architektur

Walser Zumbrunn Wäckerli Architektur GmbH, CH-8400 Winterthur, www.wzwarchitektur.ch

Baumanagement

Dürsteler Bauplaner GmbH, CH-8404 Winterthur, www.duersteler.ch

Tragwerksplanung

(Holzbau, Massivbau, Tiefbau, Brandschutz): SJB Kempter Fitze AG, CH-8500 Frauenfeld, www.sjb.ch

Holzbau

Hector Egger Holzbau AG, CH-4901 Langenthal, www.hector-egger.ch

Produktion BauBuche-Bauteile

Pollmeier, D-99831 Creuzburg, www.pollmeier.com

Umbauter Raum

45.207 m3

BauBuche

rund 270 m3

Fotos

Claudia Luperto, CH-8400 Winterthur, www.luperto.ch, SJB Kempter Fitze AG

Zeichnungen

Walser Zumbrunn Wäckerli Architektur GmbH, SJB Kempter Fitze AG

Projektinformationen

Gute natürliche Lichtverhältnisse zu schaffen, war eine der Anforderungen, die der Auftraggeberin besonders am Herzen lag, weshalb den drei Lichthöfen des Gebäudes eine besondere Bedeutung zukommt. Der im Grundriss als unregelmäßiges Trapez entworfene Bau öffnet sich auf der Westseite und ist mit rund 40 m fast doppelt so lang wie die etwa 22 m lange Ostseite. Die Büros und Besprechungsräume befinden sich überwiegend an den nach Süden und Norden ausgerichteten 80 m langen Längsseiten.

Der Baukörper tritt nach außen als Dreigeschosser in Erscheinung und überrascht im Inneren durch Höfe unterschiedlicher Höhe und Größe.

Im zweiten Obergeschoss bildet das Gebäude dadurch „nur noch“ einen, den Innenbereich umschließenden Ring, in dem neben Büros und Besprechungsräumen der große Essbereich liegt, der temporär auch als Vortragssaal genutzt werden kann. Das Obergeschoss kragt gegenüber dem Erdgeschoss allseitig um 1,5 m aus. An zwei der Lichthöfe schließen direkt zwei geschwungene Treppenläufe an, die in Form und Anmutung im besten Sinne an die Architektur der 1950er Jahre erinnern. Das Raumprogramm sah für den Bezug des Gebäudes Ende 2023 zunächst 155 Arbeitsplätze vor, die bis 2028 dann auf 260 ausgebaut werden sollen.

 

Skelettkonstruktion als Brettschichtholz-BauBuche-Mix

Die Primär- und Sekundärkonstruktion des Bürogebäudes wurde in Brettschichtholz und BauBuche ausgeführt. Die vertikale Lastabtragung erfolgt über quadratische Brettschichtholz-Stützen mit 32-cm-Querschnitt. Im Erdgeschoss sind sie entlang der Fassaden im Abstand von 4 m platziert, entlang der Erschließungskorridore dann mit 8 m. Auf diesen Brettschichtholz-Stützen liegen Unterzüge aus BauBuche von bis zu 8 m Länge, die je nach Lage im Gebäude mit unterschiedlichen Querschnittsabmessungen dimensioniert wurden. Die Zwischendecken und das Dach bilden Hohlkastenelemente, die in den Büro- und Besprechungsräumen als Akustikelemente ausgeführt, in den Korridorbereichen aber als Standardelemente verbaut wurden.

Die erwähnten Korridore erschließen die Räume entlang der längsseitigen Fassaden. Hier stehen die Stützen in einer Doppelreihe mit einem Achsabstand von 2 m, so dass sich für die Breite in diesen Zonen ein lichtes Maß von 1,68 m ergibt. In den rund einen Meter abgehängten Decken dieser Korridorzonen ließ sich ein Großteil der Haustechnik unterbringen. Die Zulüftung konnte in 8 cm hohe Schlitze in den BauBuche-Unterzügen integriert werden.

Der Bau ist unter Terrain in Massivbauweise ausgeführt, wobei durch das um 2,50 m von der Süd-West- zur Nord-Ost-Ecke abfallende Gelände, das Erdgeschoss auf der Ostseite teilweise im Erdreich steht, während es auf der Westseite ebenerdig erschließt. Haustechnik- und Lagerräume sind daher auf der Ostseite angeordnet. Zudem gibt es zwei Untergeschossebenen, die Platz für insgesamt 180 PKW bieten. Neben den Fundamenten sind auch die zwei Erschließungskerne für Treppenhaus, Aufzüge und Nasszellen in Stahlbeton erstellt und dienen der Gebäudeaussteifung.

 

BauBuche als materialeffiziente Ergänzung an spezifischen Stellen

Auch wenn sie an den wenigsten Stellen „in natura“ sichtbar ist, so ist die BauBuche doch ein wesentliches Element der Tragkonstruktion. Denn alle Haupt- und Fassadenträger wurden aufgrund der Materialeigenschaften des hochfesten Laubholzes mit eben diesem in der Festigkeitsklasse GL 75h ausgeführt. Sowohl auf Biegung als auch bei Querdruck ist BauBuche hocheffektiv, so dass beispielsweise die Höhe der Unterzüge gegenüber einer alternativen Ausführung in Fichten-Brettschichtholz geringer ausfallen konnte. Entsprechend haben die Unterzüge bei einer Breite von 30 cm bzw. 32 cm je nach Lage im Gebäude unterschiedliche Höhen. So beträgt diese beispielsweise in der Achse F, zwischen Korridor und den Besprechungsräumen im Erdgeschoss an der Südseite, 60 cm, während für die Unterzüge, die im Dachgeschoss in den äußeren Achsen liegen, lediglich eine Höhe von 36 cm bzw. 32 cm erforderlich war. Besonders hohe Lasten sind auch im Bereich der Lichthof-Terrassen im zweiten Obergeschoss abzutragen. Hier sind deshalb sowohl die Hohlkastendecke mit einer Höhe von knapp 45 cm dimensioniert, als auch der BauBuche-Träger mit immerhin 68 cm.

Dem Gedanke der Nachhaltigkeit trug die Bauherrschaft bei ihrem Bürobau besonders Rechnung, etwa indem sie Brettschichtholz und BauBuche sehr differenziert und damit auch architektonisch gestaltbestimmend eingesetzt hat – auch wenn BauBuche dabei optisch nicht immer in Erscheinung tritt. Maßgeblich war die mit Stahl vergleichbare Tragfähigkeit von BauBuche, ohne übermäßig Stahl einsetzen zu müssen. Mit der Wahl von BauBuche kam ein ebenso nachwachsender wie hochfester Rohstoff äußerst materialeffizient zum Zug.

 

Fazit mit Ausblick

Die durch die Holzskelettkonstruktion flexible Grundrissstruktur ermöglicht eine einfache Anpassung an sich verändernde Arbeitsformen oder eine Unterteilung in kleinere Einheiten, was sich positiv auf die Langlebigkeit des Gebäudes auswirkt.

BauBuche kam bei den Hauptträgern zum Einsatz. Auf diesen liegen jeweils die Deckenelemente auf. Es wurden Träger der Festigkeitsklasse GL 75h verwendet. Baubuche wurde wegen seiner exzellenten Materialeigenschaften in Bezug auf Biege- und Schubfestigkeit eingesetzt. Damit ließen sich die Träger schlanker realisieren. Durch die guten Querdruckwerte des Materials war es außerdem möglich, am Geschossübergang auf Querdruckverstärkungen zu verzichten oder diese zu reduzieren. Prinzipiell wäre auch eine Realisierung mit Fichten-Brettschichtholz möglich gewesen. Aus architektonischen Gründen waren jedoch schlanke Querschnitte gewünscht. Die Bauteile sind weitestgehend mechanisch befestigt und können bei einem zukünftigen Rückbau sortenrein demontiert und wiederverwendet oder entsorgt werden. Die Gebäudetechnik ist über die sichtbar befestigten Deckenelemente vollumfänglich zugänglich. Die in Fichte und Buche ausgeführten Primär- und Sekundärkonstruktionen sowie die Deckenelemente binden etwa 1.400 Tonnen CO2.

text by: Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe

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    Projektfotos

    Die Verarbeitung der BauBuche – Ein Erfahrungsbericht von Projektleiter Bernhard Tritschler.

    Geschäftsführer der Holzbau Amann GmbH

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    POLLMEIER IST MITGLIED DES BUNDESVERBANDS DER SÄGE- UND HOLZINDUSTRIE IN DEUTSCHLAND
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