
Das UmweltHaus in Nürnberg ist neuer Firmensitz der UmweltBank und Beweis für die Tragkraft von BauBuche. Mit 52 m Höhe und 13 Vollgeschossen überragt es als Bayerns höchstes Holzhybridgebäude nun alle bisher realisierten Holzbauten in Süddeutschland. Die tragende Rolle – im wahrsten Sinne – spielt dabei BauBuche: In den hochbelasteten unteren und mittleren Geschossen bildet das Hartholz das Herzstück des Tragwerks und macht ein schlankes Holztragwerk in dieser Höhenklasse überhaupt erst möglich.
UmweltHaus, Nordwestring 109-111, D-90419 Nürnberg
UmweltBank AG, D-90489 Nürnberg, www.umweltbank.de
Hochhaus: August bis Dezember 2023
Langbau: Januar bis April 2024
voraussichtlich Sommer 2026
Spengler Wiescholek Architektur Stadtplanung PartGmbB, D-22765 Hamburg,
merz kley partner AG, A-6850 Dornbirn, www.mkp-ing.com
BWP Burggraf + Reiminger Beratende Ingenieure GmbH
EGS-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, D-70563 Stuttgart, www.egs-plan.de
ZÜBLIN Timber GmbH, D-86551 Aichach, www.zueblin-timber.com
Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG, D-99831 Creuzburg, www.pollmeier.com
IHK-Immobilienpreis Mittelfranken, Sonderpreis Innovation, 2025
ca. 11.000 m² (davon 4.500 m² vermietet im Langbau)
ca. 25.000 m²
ca. 3.000 m³ (davon u. a. 760 m³ BauBuche und 2.184 m³ Fichte)
BauBuche (hochbelastete Geschosse, Sprengwerke), Fichten-Brettschichtholz, LENO®-Brettsperrholz, Dreischichtplatten, OSB
Mitteleuropa; PEFC/FSC-zertifiziert
2.000 m² Fassaden-PV + 760 m² Dach-PV
Geothermie, Wärmepumpen, PV-Strom, Biomethan-BHKW
KfW Effizienzhaus 40 NH
DGNB Vorzertifikat Platin-Standard
UmweltBank AG, Spengler Wiescholek
merz kley partner, Spengler Wiescholek
Für das Hamburger Architekturbüro Spengler Wiescholek und die UmweltBank AG, ein seit fast 30 Jahren unter anderem auf nachhaltige Immobilien spezialisiertes Nürnberger Geldinstitut, stellt das Bauvorhaben in mehrfacher Hinsicht einen Meilenstein dar: Zum einen tritt die Bank erstmals selbst als Bauherrin auf, zum anderen ist bisher nirgendwo in Süddeutschland in dieser Gebäudehöhe und mit dieser Konsequenz ein Tragwerk aus BauBuche und Fichte realisiert worden, noch dazu hinter einer flächendeckenden Photovoltaik-Fassade, die zugleich als aktiver Wetterschutz dient.
Zuvor über mehrere Standorte in der Stadt verstreut, wollte die UmweltBank ihre Belegschaft unter einem Dach vereinen und dabei ein Statement für nachhaltiges Bauen setzen. Entsprechend stellte die Planung Langlebigkeit und Kreislauffähigkeit in den Mittelpunkt – ein Anspruch, den die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bereits in der Planungsphase mit einer Vorzertifizierung in Platin, der höchsten verfügbaren Auszeichnung, honorierte. Herausgekommen ist ein Tragwerk aus BauBuche und Fichte, das jedes Material genau dort einsetzt, wo es statisch am meisten leistet.
Der Entwurf ging aus einem offenen Realisierungswettbewerb mit rund 20 Teilnehmern hervor; Spengler Wiescholek setzte sich mit einem Konzept durch, das Holztragwerk, stromerzeugende Fassade und vorgelagerten Sonnenschutz zu einem stimmigen Ganzen fügt. Im Erdgeschoss sorgen ein Supermarkt, ein Café und ein anmietbares Veranstaltungsfoyer für öffentlich zugängliche Nutzungen, die das Gebäude mit dem Quartier verzahnen. Das UmweltHaus ist dabei nur der Auftakt: Es bildet den ersten Baustein des größeren „UmweltQuartiers“ auf dem früheren GfK-Areal.
Holzhybridbau: Tragwerk aus BauBuche und Fichte für 52-m-Turm und 30 m hohen Langbau
Der Neubau am Nordwestring umfasst einen schlanken, 52 m hohen Turm mit 13 Vollgeschossen und einen niedrigeren, rund 30 m hohen Langbau mit sieben Vollgeschossen. An den 39 m langen und rund 17 m breiten Turm ist seitlich der ebenfalls 17 m breite Langbau mit 69 m Länge angefügt. Zusammen kommen sie auf eine Gebäudelänge von rund 86 m. Das Tragwerkskonzept setzt auf ein Hybridsystem aus Holz und Stahlbeton: Stützen, Träger und Unterzüge sowie Fassadenelemente sind aus Holz gefertigt, die Geschossdecken als Holz-Beton-Verbund(HBV)-Decken ausgeführt.

©merz kley partner AG
Turm und Langbau sind vom Erdgeschoss bis zum Dach als durchgängiger Holzskelettbau konzipiert, basierend auf einem Stützenraster von 5,50 m. In Beton ausgeführt sind lediglich die Untergeschosse, die beiden Erschließungskerne sowie einzelne Brandwände und Erdgeschossstützen, wo der Brandschutz einen Materialwechsel erforderlich machte. Die HBV-Deckenelemente bestehen aus überhöhten Brettschichtholz-Rippen mit aufgeschraubten Dreischichtplatten; eingefräste Kerven stellen den Schubverbund mit der nur 12 cm dünnen Ortbetonschicht her – deutlich schlanker als eine reine Stahlbetondecke ausgefallen wäre. Auf eine temporäre Unterstützung der Decken im Bauzustand konnte dank der überhöhten Rippenelemente verzichtet werden. Das Prinzip ist bewusst der historischen Zimmermannskunst entlehnt: Balken auf Balken, Decke darauf. Sämtliche Verbindungen sind verschraubt, sodass sich die Materialien am Ende des Lebenszyklus sortenrein voneinander trennen lassen.

©merz kley partner AG
BauBuche – Hochleistungsholz für die größten Lasten
Der Schlüssel, um den 52 m hohen Turm mit einem schlanken Holztragwerk zu errichten, liegt in der Leistungsfähigkeit der BauBuche. Das hochtragfähige Hartholz nimmt bei gleichem Querschnitt nahezu die doppelten – bei rein axialer Druckbelastung sogar die bis zu dreifachen – Lasten auf wie Fichte; ein Tragfähigkeitsvorsprung, der genau dort den Ausschlag gibt, wo Fichte an ihre Grenzen stößt. Und so entfallen von den insgesamt rund 3.000 m3 im Projekt verbautem Holz 760 m3 auf BauBuche. Welches Holz wo zum Einsatz kommt, richtet sich nach den aufzunehmenden Lasten in den Geschossen: Entsprechend kommt BauBuche in den hochbelasteten unteren und mittleren Geschossen zum Einsatz, während das Tragwerk weiter oben, wo die Lasten abnehmen, auf Fichte übergeht. Dieser Materialwechsel geschieht beim Langbau vom 3. zum 4. Obergeschoss und beim Turm vom 8. zum 9. Obergeschoss. Die damit erreichten schlanken Stützenquerschnitte halten zugleich wertvolle Grundrissfläche frei.

©merz kley partner AG
Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigt der direkte Vergleich der Stützenquerschnitte: Beim Turm haben die in der Galerie rund 8 m hohen und im Regelbereich 4 m hohen BauBuche-Innenstützen – die Fassadenstützen unterscheiden sich im Querschnitt von denjenigen im Innenbereich – Abmessungen von 48 cm x 48 cm; eine gleichwertige Stütze aus Fichten-Brettschichtholz hätte an dieser Stelle etwa 64 cm x 64 cm erfordert. Im Langbau haben die BauBuche-Innenstützen dagegen einen Querschnitt von 48 cm x 40 cm bei einer Stützenhöhe von 4 m. Gleichwertige Stützen aus Fichten-Brettschichtholz wären auf Abmessungen von ungefähr 56 cm x 56 cm gekommen. Architektonisch galt grundsätzlich, dass die Stützenquerschnitte über die Geschosse nicht variieren sollten. Das heißt, der erforderliche Stützenquerschnitt für die Aufnahme der größten Lasten wurde zur maßgebenden Abmessung für die Stützen aller Stockwerke, auch wenn diese nach obenhin im Grunde überdimensioniert sind.
Besonders eindrucksvoll führen zudem die beiden Sprengwerke über dem Erdgeschoss vor, was im BauBuche-Werkstoff steckt: Das aus dem traditionellen Dachstuhlbau bekannte Prinzip, Lasten seitlich nach außen abzuleiten, um darunter Freiraum zu schaffen, findet hier Anwendung, so dass der an das offene, großzügige Foyer seitlich angegliederte Veranstaltungssaal stützenfrei bleiben konnte. Wegen ihrer Komplexität wurden die Sprengwerke vorab im Werk probeweise montiert, ehe sie endgültig eingebaut wurden – kraftschlüssige Geometrien dieser Art in einem Gebäude solcher Höhe sind nur mit einem hochbelastbaren Material wie BauBuche möglich.

©Spengler Wiescholek Architektur Stadtplanung PartGmbB
Vorfertigung als Schlüssel zur Geschwindigkeit
Der Holzbau startete im August 2023 und sollte bis Ende Dezember 2023 stehen – ein äußerst ambitionierter Fünf-Monats-Zeitplan für ein Hochhaus dieser Größenordnung. Möglich machte ihn die konsequente Vorfertigung im Aichacher Werk des ausführenden Holzbauunternehmens ZÜBLIN Timber. Dort entstanden voll ausgedämmte Holztafelbau-Elemente für die Außenwände, insgesamt über 6.000 m2, die auf der Baustelle nur noch gefügt werden mussten. Aus Transportgründen wurden je zwei 5,5-m-Fassadenelemente erst vor Ort zu 11 m langen Einheiten verschraubt. Fenster und Brüstungen waren bereits werkseitig eingebaut, sodass Skelett und Fassade in einem einzigen Montageschritt gesetzt werden konnten – ein erheblicher Zeitvorteil auf der Baustelle.

©Spengler Wiescholek Architektur Stadtplanung PartGmbB
Brandschutz: Sichtholz dank Sprühnebelanlage
Gestalterisch verfolgt das UmweltHaus ein klares Ziel: Das Tragwerk aus BauBuche und Fichte sollte im Innern sichtbar bleiben – in einem 52 m hohen Hochhaus alles andere als selbstverständlich. „Extrem hohe Holzsichtigkeit und ein Tragwerk, das zelebriert wird“, beschrieb Architektin Ingrid Spengler den Anspruch. Für Gebäude der Gebäudeklasse 5 (GK 5) mit sichtbarem Holz gelten in Bayern allerdings strenge Brandschutzauflagen. Entsprechend mussten die BauBuche- und Fichte-Bauteile unter Berücksichtigung des Abbrands für eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten (REI 90) bemessen werden. Rechnet man das nichttragende Abbrandmaß heraus, zeigt sich erst, wie filigran sich mit diesem Werkstoff arbeiten lässt. Kritische Anschlüsse erhielten schließlich eingefräste Ausfachungen und freiliegende Stahlteile einen Brandschutzanstrich. Hinzu kam eine hocheffiziente Hochdruckwassernebelanlage (HDWN), die mit minimalem Wassereinsatz löscht und im Auslösefall das Risiko von Folgeschäden gegenüber herkömmlichen Sprinklern deutlich senkt, ergänzt um eine flächendeckende Brandmeldeanlage mit direkter Aufschaltung zur Nürnberger Feuerwehr.
Begleitet wurde das Projekt durchgehend von privaten wie behördlichen Brandschutzsachverständigen, da die Muster-Holzbaurichtlinie im Hochhausbereich nur eingeschränkt greift. Die dabei erarbeiteten Sonderlösungen lassen sich künftig als Argumentationsgrundlage für weitere Holz-Hochhäuser heranziehen.
Photovoltaik-Fassade: Wetterschutz und Energielieferant in einem
Ungewöhnlich ist auch die Hülle: Die gesamte Fassade ist flächendeckend mit Photovoltaik-Modulen bekleidet. Von der Straße aus wirkt das Haus zunächst wie ein dunkelgrün getöntes Glasgebäude – dass die komplette Fläche Strom erzeugt, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Diese Zurückhaltung ist Absicht: Das Gebäude soll weder als technisches Schaustück noch als offensichtliches Nachhaltigkeitsgebäude auftreten. Dass ein Holzhochhaus dieser Höhe mit einer vollflächigen, aktiven Photovoltaik-Fassade ausgestattet wird, ist nach Einschätzung der Architekten in dieser Konsequenz bislang einzigartig in Deutschland.
Ausgezeichnete Resonanz
Schon das Richtfest im Februar 2024 fand breite mediale Beachtung. Oberbürgermeister Marcus König sprach von einer „Landmarke für Nürnberg“, Staatssekretär Rolf Bösinger befand: „Von der Größe her und wie viel Holz hier verbaut wurde, ist dieses Hochhaus wirklich einzigartig in Deutschland.“ Im Juni 2025 folgte der IHK-Immobilienpreis Mittelfranken, Sonderpreis Innovation – ausgezeichnet wurden der konsequente Einsatz regionaler Baustoffe und die durchgängige Kreislaufwirtschaft.
Übertragbares Lösungsprinzip
Am Beispiel des UmweltHaus‘ zeigt sich ein übertragbares Prinzip: BauBuche lohnt sich überall dort, wo das gewohnte Raster, die Standardlösung oder die übliche Denklogik an Grenzen stoßen – etwa wenn die Bauhöhe begrenzt ist, Stützen die Nutzung stören, Lasten oder Querdruck zu hoch werden, Anschlüsse zu groß ausfallen oder die Architektur Offenheit verlangt. Typische Konstellationen sind teure Grundstücke mit hohen Flächenwerten, flexible Büro- und Forschungsbauten, Bildungs- und Hallentragwerke sowie Wettbewerbs- und Prestigeprojekte mit anspruchsvoller Architektur. In diesen Fällen kommt BauBuche meist als gezielter Problemlöser für Grenzsituationen zum Zug – immer dann, wenn Fichten-Brettschichtholz allein wirtschaftlich oder gestalterisch keine tragfähige Lösung mehr liefert.
Link-Tipp: https://tinyurl.com/2v8zu2ec
text by: Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe
Hinweis: Der Artikel ist urheberrechtlich geschützt. Bei Interesse an einer Nutzung bitte bei Pollmeier oder der Autorin anfragen.
Geschäftsführer der Holzbau Amann GmbH
Beratung für Architekten, Bauingenieure, Bauherren und Holzbauunternehmen
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